Zahnverlust kann aus unterschiedlichen Gründen auftreten, und bei Patienten mit mehreren fehlenden Zähnen stellen implantatgetragene Prothesen eine wichtige Behandlungsoption dar. Bei länger bestehender Zahnlosigkeit kann es zu einem Abbau des Kieferknochens kommen, was bei einigen Patienten zusätzliche chirurgische Eingriffe oder Knochenaufbauten erforderlich macht. Solche Zusatzmaßnahmen können sowohl die Behandlungskosten erhöhen als auch die Dauer der prothetischen Versorgung verlängern.
Die All-on-4-Technik ist ein Behandlungskonzept, das insbesondere bei vollständiger Zahnlosigkeit oder fortgeschrittenem Zahnverlust eine biologisch sinnvolle und praktische Planung unter Erhalt der vorhandenen Knochenstruktur ermöglicht. Dabei wird der vordere Kieferbereich mit meist günstigerem Knochenangebot genutzt, wobei zwei Implantate gerade und zwei Implantate im hinteren Bereich schräg inseriert werden. Auf diese Weise kann bei vielen Patienten eine festsitzende Prothese auf lediglich vier Implantaten realisiert werden, ohne dass umfangreiche knochenchirurgische Maßnahmen erforderlich sind. In geeigneten Fällen ist es möglich, am selben Tag eine provisorische festsitzende Versorgung einzugliedern, wodurch Kaufunktion, Sprachfähigkeit und Ästhetik rasch wiederhergestellt werden. Der kontinuierliche Behandlungsablauf trägt wesentlich zur Verbesserung des sozialen Wohlbefindens des Patienten bei.
Im Vergleich zu herausnehmbaren Totalprothesen bietet die All-on-4-Behandlung eine deutlich stabilere Kaufunktion und vermittelt dem Patienten ein sicheres und komfortables Tragegefühl, unabhängig von der Prothesenhaftung. Die funktionelle Belastung, die über die Implantate auf den Kieferknochen übertragen wird, hilft, weiterem Knochenabbau infolge mangelnder Belastung entgegenzuwirken. Zudem stellt diese Methode eine wichtige Alternative für Patienten dar, die aufgrund eines ausgeprägten Würgereflexes Schwierigkeiten mit herausnehmbaren Prothesen haben. Aktuelle klinische Studien zeigen, dass die All-on-4-Behandlung bei sorgfältig ausgewählten Patienten und bei Durchführung durch erfahrene Behandler hohe Langzeiterfolgsraten aufweist.
All-on-4 ist kein standardisiertes Verfahren, das bei jedem Patienten gleich angewendet wird, sondern ein individuelles Behandlungskonzept, dessen Eignung nach eingehender klinischer und radiologischer Diagnostik beurteilt wird. Faktoren wie Knochenangebot, allgemeiner Gesundheitszustand, Okklusionsverhältnisse und Mundhygiene sind entscheidend für den Behandlungserfolg. Daher sollte die Therapie stets patientenindividuell geplant und von einem erfahrenen Behandlungsteam begleitet werden.