Erworbene Orale Gewohnheiten Und Ihre Behandlung

Erworbene Orale Gewohnheiten Und Ihre Behandlung

Zähneknirschen und Zähnepressen (Bruxismus)

Zähnepressen und Zähneknirschen, zusammengefasst als Bruxismus, zählen zu den häufigsten parafunktionellen Gewohnheiten in der Bevölkerung. Studien zeigen, dass die Prävalenz bei Erwachsenen zwischen 8 % und 30 % liegt. Bei Kindern beträgt sie etwa 14–20 % und bleibt häufig unbemerkt.


Ursachen des Bruxismus

Für Bruxismus existiert keine eindeutige Einzelursache. Stressfaktoren des Alltags – wie hohe Arbeitsbelastung, psychosoziale Probleme und Angststörungen – können insbesondere während des Schlafs das Zähnepressen auslösen. Dabei wirken Kräfte auf die Zähne, die ein Vielfaches der normalen Kaukräfte erreichen können. Viele Betroffene sind sich ihrer Gewohnheit nicht bewusst und stellen sich mit Beschwerden in den Gesichtsmuskeln, im Kiefergelenk oder an den Zähnen vor.

Bruxismus tritt meist nachts und unwillkürlich auf. Trotz kurzer Dauer können die hohen Kräfte zu Zahnabrasionen, Frakturen, Hypersensibilität, Temperaturüberempfindlichkeit und Schmerzen im Bereich des Kiefergelenks führen. In fortgeschrittenen Fällen kann es zu einem Verlust der vertikalen Dimension mit ästhetischen Beeinträchtigungen kommen.

Aufbissschienen (Nachtschienen) werden eingesetzt, um die auf die Zähne einwirkenden Kräfte zu reduzieren und weitere Schäden zu verhindern. Je nach Befund kommen Schienen unterschiedlicher Härtegrade zum Einsatz. Bruxismus wird häufiger bei Patienten mit Malokklusion sowie bei Kindern mit positiver Familienanamnese beobachtet.



Klinische Anzeichen des Bruxismus

Zahnabrasionen

Frakturen von Zähnen und Restaurationen

Knirschgeräusche im Schlaf

Schmerzen der Gesichtsmuskulatur und der Kiefergelenke

Gelenkgeräusche

Kopfschmerzen

Zahnsensibilität, Lockerung oder Zahnwanderung


Behandlung des Bruxismus

Die häufigste und effektivste Behandlungsform ist eine individuell angefertigte Aufbissschiene. Bei Bedarf können zusätzliche therapeutische Maßnahmen ergänzt werden.


Nägelkauen und dessen Behandlung

Nägelkauen ist überwiegend psychisch bedingt und gilt bei Kindern als Ausdruck von Unsicherheit, Angst und Stress. Familiäre Faktoren spielen eine wesentliche Rolle bei der Entstehung dieses Verhaltens. Autoritäre Erziehungsstile, Geschwisterrivalität, mangelnde Zuwendung sowie emotionale Belastungen können das Nägelkauen begünstigen. Zudem kann die Gewohnheit durch Nachahmung erlernt werden.

Nägelkauen kann zu Zahnabrieb, Schmelzrissen, Gingivaproblemen, Überbelastung der Kiefergelenke sowie zur Übertragung von Bakterien in die Mundhöhle führen.

Die Therapie konzentriert sich zunächst auf die Identifikation der zugrunde liegenden Ursachen und die Umsetzung verhaltensorientierter Maßnahmen in Zusammenarbeit mit der Familie. Bewusstseinsförderung, positive Verstärkung und gegebenenfalls psychologische Unterstützung bilden die Basis der Behandlung. Bei vorhandenen Zahnschäden können präventive und restaurative Maßnahmen durch den Kinderzahnarzt durchgeführt werden. Eine frühzeitige Intervention hilft, bleibende Zahn- und Kieferprobleme zu vermeiden.


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