Chemotherapie, Radiotherapie Und Mundgesundheit

Chemotherapie, Radiotherapie Und Mundgesundheit

Bei onkologischen Patienten, die sich einer Chemo- und/oder Radiotherapie unterziehen, treten zahlreiche orale Veränderungen auf. Die häufigste Komplikation ist die orale Mukositis, die durch die Schädigung der Mundschleimhaut entsteht. Besonders Kopf-Hals-Bestrahlungen sowie antimetabolische und alkylierende Chemotherapeutika erhöhen Häufigkeit und Schweregrad der Mukositis. Durch die Hemmung der Epithelneubildung erscheint die Schleimhaut erythematös und entzündet.

Bei Chemotherapiepatienten betrifft die Mukositis vor allem die nicht keratinisierte, bewegliche Schleimhaut des weichen Gaumens, der Wangen, Lippen, der ventralen Zungenfläche und des Mundbodens. Bei Radiotherapiepatienten ist die Lokalisation abhängig vom Bestrahlungsfeld.

Die klinischen Symptome reichen von mildem Erythem bis hin zu schmerzhaften Ulzerationen. Schwere Mukositis beeinträchtigt Nahrungsaufnahme, Schlucken und Sprache erheblich und reduziert die Lebensqualität. Sekundärinfektionen treten häufig auf, wobei Candida albicans der häufigste opportunistische Erreger ist.

Kopf-Hals-Radiotherapie kann zu Geschmacksstörungen führen, die bereits in den ersten Behandlungswochen auftreten. Eine weitere mögliche Komplikation ist die Weichteilnekrose im bestrahlten Gebiet. Die Ausprägung ist abhängig von Dosis, Dauer und bestrahltem Gewebevolumen.

Die Schädigung der großen und kleinen Speicheldrüsen führt zu Xerostomie mit Brennen, Kauproblemen, erhöhter Kariesanfälligkeit und Pilzinfektionen. Xerostomie ist ein wesentlicher Faktor für Strahlenkaries, da die schützende Wirkung des Speichels entfällt. Veränderungen der Mundflora können bis zu vier Jahre nach Radiotherapie persistieren.

Auch der Knochen erfährt strukturelle Veränderungen. Die Regenerationsfähigkeit nimmt ab, und das Risiko für Osteoradionekrose steigt, insbesondere im Unterkiefer. Zahnextraktionen oder traumatische Eingriffe nach Radiotherapie können schwerwiegende Komplikationen verursachen. Daher sollten alle notwendigen zahnärztlichen Behandlungen mindestens 14 Tage vor Beginn der Radiotherapie abgeschlossen sein.

Bei einigen Patienten kann es infolge muskulärer Fibrose zu Trismus kommen, insbesondere nach Bestrahlung im Nasopharynx-, Gaumen- oder Nasennebenhöhlenbereich.

Chemotherapie kann ebenfalls Mukositis, Stomatitis, opportunistische Infektionen, Blutungsneigung, Xerostomie und Neurotoxizität verursachen. Candida-Infektionen treten am häufigsten auf, gefolgt von viralen und bakteriellen Erregern. Neurologische Nebenwirkungen können zu temporären Sensibilitätsstörungen im Versorgungsgebiet des Nervus trigeminus führen und sind häufig dosisabhängig.





Zu Ergreifende Maßnahmen

Patienten sollten mindestens einen Monat vor Beginn der Radiotherapie oder Chemotherapie einen Zahnarzt aufsuchen. Insbesondere wird empfohlen, zwischen einer Zahnextraktion und dem Beginn der Radio- bzw. Chemotherapie einen Mindestabstand von zwei Wochen einzuhalten.

Vor der Behandlung sollten den Patienten Maßnahmen zur Mundhygiene erklärt und deren konsequente Anwendung sichergestellt werden. Bestehende Füllungen und Prothesen sind gegebenenfalls anzupassen. Zähne mit schlechter Prognose, insbesondere solche im Bestrahlungsfeld, die nicht therapierbar sind, sollten vor der Radiotherapie entfernt werden. Eine mögliche Komplikation, die orale Mukositis, kann bei der Verwendung von Prothesen zu Beschwerden führen.

Prothesen, die während der Behandlung nicht getragen werden, können im Laufe der Zeit an Stabilität verlieren. Nach Abschluss der Therapie sollten Patienten im Hinblick auf therapiebedingte Nebenwirkungen kontrolliert werden. Zudem sollten unterstützende Maßnahmen zur Mundgesundheit, wie die Verwendung von hochfluoridhaltiger Zahnpasta, empfohlen werden.

Vor der Radiotherapie sollte eine professionelle Zahnsteinentfernung durchgeführt und gegebenenfalls eine weiterführende parodontale Behandlung abgeschlossen werden. Eine optimale Mundhygiene ist sicherzustellen, und der Patient sollte zu einer regelmäßigen und effektiven Mundpflege angeleitet werden. Durch Chemotherapie kann eine chronische Parodontalerkrankung in eine akute Phase übergehen; daher ist eine sorgfältige Mundhygiene von großer Bedeutung.

Zur Kariesprophylaxe sollten Fluoridapplikationen durchgeführt und fluoridhaltige Zahnpasten verwendet werden.


Maßnahmen während der Radio- und Chemotherapie

Eine sehr gute Mundhygiene ist aufrechtzuerhalten. Es sollte eine weiche Zahnbürste mit kleinem Bürstenkopf verwendet werden, wobei übermäßiger Druck beim Zähneputzen zu vermeiden ist. Die Verwendung von Mundduschen und elektrischen Zahnbürsten wird nicht empfohlen. Ist das Zähneputzen aufgrund von Übelkeit, Zahnfleischbrennen oder anderen Beschwerden nicht möglich, ist eine Spülung mit Natronlösung sinnvoll.

Bei akuter Mukositis ist eine sorgfältige Mundhygiene unerlässlich. Eine Spülung alle 3–4 Stunden mit einer Lösung aus einem Glas lauwarmem Wasser und einem halben Teelöffel Salz oder Natron ist sehr hilfreich. Bei Schmerzen beim Kauen kann eine 0,5%ige Dyclone-Lösung 20–30 Minuten vor den Mahlzeiten angewendet werden.

Treten zusätzlich zu den mukosalen Veränderungen Candida-albicans-Läsionen auf, können Spülungen mit lauwarmer Salz-Natron-Lösung oder topischen Anästhetika die Symptome lindern. Orales Nystatin ist wirksam bei der Behandlung akuter oder chronischer oraler Candidosen. Die gleiche Behandlung sollte auch bei herausnehmbarem Zahnersatz durchgeführt werden, um die Pilzinfektion zu kontrollieren.

Zur Behandlung von entzündlichen Veränderungen und Ulzerationen können antimikrobielle Mundspüllösungen (Chlorhexidingluconat, Benzydaminhydrochlorid) eingesetzt werden. Bei Ulzerationen und Entzündungen sind analgetische und schützende haftende Gele (z. B. Anestol oder Protofix) empfehlenswert.

Bei Xerostomie (Mundtrockenheit) werden Natronspülungen, Kaugummi, zuckerfreie Bonbons oder Eisstücke sowie eine häufige Flüssigkeitszufuhr empfohlen. Saure oder scharfe Speisen sowie sehr heiße oder sehr kalte Getränke sollten vermieden werden. Alkohol- und Tabakkonsum sind zu unterlassen. Darüber hinaus können kaliumiodidhaltige Präparate, Zitronentabletten, Sialogoga (z. B. Biotene) und künstliche Speichelersatzprodukte eingesetzt werden.

Bei Auftreten von Trismus sollten regelmäßige Heimübungen durchgeführt werden; bei Bedarf können spezielle Apparaturen durch den Zahnarzt angefertigt werden.


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